150 JAHRE BAYREUTHER FESTSPIELE: Souvenirs de Bayreuth – Nachlese zum Festkonzert vom 31. Mai 2026
Der helle Veranstaltungssaal im Stadtmuseum Siegburg mit Ausblick auf die kleine Nachbarstadt Bonns hätte noch ein paar Besucher mehr vertragen können, aber zwei Mütter mit sehr jungen Kindern, die jüngste Besucherin Alma war viereinhalb Monate alt, freuten sich, mit ihrem Nachwuchs je eine gepolsterte Sitzbank für sich zu haben, und im Notfall schnell rauszukommen. Geboten wurde am 31. Mai 2026 um 16:00 Uhr ein Konzert zum 150-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele und zum 38. Engelbert-Humperdinck-Fest der Stadt Siegburg im Geburtshaus des Siegburger Komponisten, der maßgeblich an der Uraufführung von Wagners „Parsifal“ beteiligt war.
Das Programm startete gleich hochkarätig mit den von Konstantin Zvyagin und Janosch Spreter vierhändig gespielten „Souvenirs de Bayreuth“ des französischen Komponisten Gabriel Fauré, das dem Programm den Namen gab. Zvyagin war 2023 als Stipendiat des RWV Bonn in Bayreuth, Spreter wird 2027 entsendet. Der Richard-Wagner-Verband Bonn übernimmt dort die Kosten für die Eintrittskarten für drei Werke Wagners, für das Rahmenprogramm aus Führungen und Begegnungen und für die Unterkunft. Die stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende der Engelbert-Humperdinck-Freunde, Frau Dr. Susanne Haase-Mühlbauer begrüßte nach diesem Auftakt das Publikum.
Moderiert wurde das Konzert von Benedikt Gnosa – vom Richard-Wagner-Verband Bonn vom 22. bis 27. August 2026 nach Bayreuth als Stipendiat eingeladen – der den Bezug der einzelnen Beiträge zu Richard Wagner, zum Siegburger Engelbert Humperdinck, in dessen Geburtshaus sich das Siegburger Stadtmuseum befindet, und zu Beethoven aufzeigte. Der Bonner Richard-Wagner-Verband ermöglicht nicht nur Sänger:innen und Instrumentalist:innen die Teilnehme an den Bayreuther Festspielen, sondern auch Geisteswissenschaftler:innen wie Gnosa, der in Mediävistik promoviert, die zu Richard Wagners Leben und Werk forschen und publizieren.
Der Einzug der Götter in Walhall, von Konstantin Zvyagin nicht nur auswendig gespielt, sondern auch für Klavier solo arrangiert, leitete ein zum Hit „Somewhere over the Rainbow“ von George Gershwin, gesungen von der lyrischen Koloratursopranistin Anna Sayn, Stipendiatin 2019, die mit dem „Abendsegen“ aus Humperdincks Erfolgsoper „Hänsel und Gretel“ zusammen mit Charlotte Quadt, Stipendiatin 2003 und Hänsel in der Bonner Oper als Mitglied des Ensembles der Bonner Oper, sehr gut harmonierte. Später sang Sayn noch „Blah, blah, blah“ von George Gershwin, mit dem dieser die stereotypen Hollywood-Schlager mit Endreimen auf moon und croon, above und love karikierte.
Tenor und Musikpädagoge Valentin Bauer, Stipendiat 2022, präsentierte mit Janosch Spreter, Stipendiat 2027, als Klavierbegleiter Lieder von Beethoven und Clara Schumann. Bauer ist mittlerweile als Musik- und Gesangspädagoge Assistent des Kölner Domkapellmeisters. Der Auftritt von Harry Leutscher, dem Präsidenten des Internationalen Richard-Wagner-Verbands, war eine kurze Unterbrechung des Musikprogramms. Er war eigens angereist, um den langjährigen Vorsitzenden des Richard-Wagner-Verbands Bonn, Andreas Loesch, mit der goldenen Ehrennadel für zehn Jahre Einsatz für den Richard-Wagner-Verband zu ehren. Er erläuterte, dass der RWVI, Dachverband der weltweit 127 Richard-Wagner-Verbände, jedes Jahr bis zu 250 Stipendiaten zu den Bayreuther Festspielen einlädt, die von den Ortsverbänden vorgeschlagen und finanziert werden. Sie finden in Bayreuth ein Forum, sich auszutauschen und zu vernetzen und sehen dabei drei Werke Wagners – diesmal „Holländer“, „Rienzi“ und „Parsifal“ – im Bayreuther Festspielhaus. Sie sind die einzigen, die vergünstigte Karten bekommen, sonst gibt es außer bei den Packages, die schon 2025 angeboten wurden, keine Ermäßigungen.
Der Walkürenritt, gespielt von Zvyagin, leitete zur Pause über, in der die Konzertgäste Gelegenheit hatten, sich mit einem Gläschen Sekt zu stärken und ins Gespräch zu kommen. Nach der Pause verblüffte die junge Flötistin Janna Schneider (Stipendiatin 2025) mit dem virtuosen Spiel auf bis zu zwei gleichzeitig gespielten Blockflöten mit „Außer Atem“ von Moritz Eggert und bewies, dass die vielgeschmähte Blockflöte in ihrer edlen Form als Konzertinstrument ganz besondere Qualitäten hat. Das zeigte sie erst recht mit einer virtuosen Fantasie für Blockflöte von Georg Philip Telemann, die dieser vermutlich komponiert hatte, um damit in Kneipen aufzuspielen. Eine eigens für ihn geschriebene Komposition von Paul Rodriguez Flys spielte der in Zypern geborene Nikola Janjic (Stipendiat 2027) auf seiner Klarinetteund zeigte damit die Vielseitigkeit dieses Instruments.
Mit dem Katzenduett von Rossini brillierten Anna Sayn und Charlotte Quadt und spielten damit auf die Rivalität zwischen Sängerinnen an. Die Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“, diesmal mit Tenor Valentin Bauer und Anna Sayn, begleitete Konstantin Zvyagin. Ein Highlight des Programms war die Barockarie „Verdi prati“ aus Händels Oper „Alcina“, die durch ihre Schlichtheit zu Tränen rührt. Charlotte Quadt hatte sie vor einem Jahr noch in der Bonner Oper in der ursprünglich für einen Countertenor geschriebenen Rolle des Ruggiero gesungen. Mit echtem Sekt gestaltete sie das Couplet des Orlofsky aus der „Fledermaus“, begleitet von Janosch Spreter.
Zum rauschenden Finale servierte „Oberkellner“ John Peter, langjähriger stellvertretender Vorsitzender des RWV Bonn und Organisator des Konzerts, mit weißer Schürze Sekt für das Ensemble, das gemeinsam „Im Feuerstrom der Reben“ aus der Fledermaus mit solistischen Einschüben sang. Es war eine Demonstration musikalischer Exzellenz mit lokalem Bezug, und eine Hommage an Engelbert Humperdinck und Richard Wagner. Die Besucher gingen beschwingt nach Hause, und man war sich einig, diese Spielstätte in Siegburg demnächst häufiger zu nutzen. Es muss nicht immer die große Oper sein!
Foto: Copyright Hans Peter Herkenhöhner
Text: Ursula Hartlapp-Lindemeyer

