Nachfolgend ein Rückblick unserer Vorstandskollegin Dr. Irmgard Rüsenberg auf den Thementag Kunst und Politik: „Zur Geschichte der Bayreuther Festspiele in den Jahren vor, in und nach dem 2. Weltkrieg“ am 26. April 2025 im Woelfl-Haus, Bonn.

Der Thementag wurde aufgezeichnet und kann auf der Adresse https://www.youtube.com/watch?v=ck4RcMKpRAc jederzeit abgerufen werden.
In Gemeinschaft mit dem Colloquium Humanum hat der Richard-Wagner-Verband Bonn auch in diesem Jahr wieder zu einer Vortragsveranstaltung im Ganztagesformat mit Bewirtung (Anmerkung der Redaktion: sehr gelobt und genossen das Catering der Firma Landwind in Asbach https://www.landwind.me/) eingeladen, die antrat, sich kritisch mit dem Erbe Richard Wagners auseinanderzusetzen. Es standen fünf Vorträge namhafter regionaler und auswärtiger Experten auf dem Programm. Alle fünf Vorträge widmeten sich dem Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Erneuerung, wie es den Festspielen für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg zugeschrieben wird. Vorgeführt wurde dabei von allen Vortragenden, dass das gängige Schlagwort eines ‚Neu-Bayreuth‘ aus unterschiedlichen Perspektiven zu relativieren ist. Die künstlerische Präsentation unter Wieland Wagner (Anno Mungen, ab 1:39:45 h), wie sie etwa an Gesangstechniken (Benedikt Holtbernd, ab 5:04:30 h) und Bühnenbildern (Frank Piontek, ab 3:49:00 h) gezeigt wurde, greift vielmehr weitgehend auf Entwicklungstendenzen in der Kunst vor dem 2. Weltkrieg, zumal des Expressionismus, zurück. Selbstevident ist allerdings die damalige Notwendigkeit einer institutionellen Erneuerung im Dienst der Entnazifizierung, wie sie Deutschland nach dem Krieg auferlegt war. Hier stand wiederum lange Zeit das Narrativ einer Indienstnahme Richard Wagners und der Festspiele durch die Nazis im Vordergrund, die der Festspielleitung eine rein passive Funktion zuschrieben (Jan Schlossarczyk, ab 7:09:45 h). Auch hier konnten die Vorträge klarstellen, dass einem Interesse des Regimes, sich die Vorzeigeinstitution der Festspiele dienstbar zu machen, ein basales Selbsterhaltungsinteresse der Festspielleitung gegenüberstand, das seine Selbstrechtfertigung primär aus dem Anspruch bezog, Richard Wagners Erbe zu bewahren. So konnte etwa das erfolgreiche Bemühen der Festspielleitung aufgezeigt werden, über eine untere Ebene der Reichsführung, etwa bei dem Ressort ‚Kraft durch Freude‘, üppige Gelder zu requirieren (Daniel Reupke, ab 0:26:00 h).
Solchermaßen simplifizierende Narrative wurden erst in den späten siebziger Jahren durchbrochen, als u. a. mit der amerikanischen Serie „Holocaust“, die 1979 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, die Diskussion der nationalsozialistischen Vergangenheit noch einmal ein breiteres Publikum erfasste und auf eine neue Akzeptanz stieß. Inwiefern diese Bewegung auch für Bayreuth und die Festspiele eine differenziertere Aufarbeitung der Vergangenheit mit sich brachte, ist für einen weiteren Thementag in Planung. Die so anregende wie angenehme Geselligkeit im Woelfl-Haus, sowie die rege digitale Teilnahme lassen auf ein anhaltendes Interesse am Thema schließen.
Einen mehr als würdigen Abschluss fand dieser intensive und anspruchsvolle Tag am Abend mit dem Konzert (ab 8:32:00 h)der beiden jungen Ausnahmekünstler und ehemaligen Stipendiaten des RWV Konstantin Zvyagin (Klavier) und Paul Moosbrugger (Klarinette). Sie brachten Richard Wagner, Joh. Brahms, Igor Strawinsky, Paul Hindemith, Alban Berg und Eugene Bozza zu Gehör, unter ihnen in bewusster Wahl auch von den Nazis verfemte Komponisten.

